L'Intavolatura di M. Alamanno Aiolli
Vom Tastenrepertoire des Florenz des 16. Jahrhunderts, Wiege der Renaissance und des Madrigals, ist nur eine leise Stimme überliefert. Erst in den 1960er Jahren wurde sie wiederentdeckt, als die Musikwissenschaftlerin Bianca Becherini auf den Ständen eines Marktes an der Piazza Santa Croce ein Manuskript mit Intavolaturen für Tasteninstrumente fand, unterzeichnet von Alamanno Aiolli.
Als Sohn von Francesco Layolle, einem Madrigalisten im Dienst der Medici, der später in Lyon lebte, wuchs Alamanno in einem Umfeld lebendigen künstlerischen Austauschs zwischen Italien und Frankreich auf. Nach seiner Rückkehr nach Florenz stellte er eine Intavolatura zusammen, die reich an transalpinen Einflüssen ist. Sie enthält eine Battaglia – die einzige bekannte Intavolatur für Tasteninstrumente von Janequins berühmter Chanson La Guerre – sowie Werke von Jachet de Berchem, Jacques Arcadelt und Cipriano de Rore. Der zweite Teil des Manuskripts, vermutlich von einem Schüler oder seinem Sohn verfasst, spiegelt den damaligen florentinischen Geschmack mit Stücken von Striggio, Malvezzi und Cavalieri wider. Darüber hinaus bewahrt er einzigartige Werke, die sonst verloren wären, wie Caronte, chi sei? von Cristóbal de Morales, das nur noch aus einer weiteren florentinischen Quelle bekannt ist, dem Fronimo von Vincenzo Galilei.
Das Programm präsentiert einige bislang unveröffentlichte Stücke aus dem Aiolli-Manuskript, das heute in der Biblioteca Medicea Laurenziana in Florenz (Acquisti e Doni 641) aufbewahrt wird. Es zeichnet die Geschichte des Manuskripts nach – im Umfeld der Medici und entlang der Wege florentinischer Exilanten aus dem Kreis der Familie Strozzi – und folgt einem Weg von den Lyoner Drucken Jacques Modernes über die lebendige Musikwelt Venedigs zurück nach Florenz. Ziel ist es, das florentinische Tastenrepertoire von der Renaissance bis zur Entstehung des recitar cantando wieder in seiner ganzen Klangfülle erlebbar zu machen.
Das Programm wurde 2025 mit freundlicher Unterstützung der Hibou Stiftung aufgenommen; weitere Informationen zur Veröffentlichung werden in Kürze bekannt gegeben. Die Aufführung ist ursprünglich für Orgel und Cembalo konzipiert, kann jedoch je nach Bedarf auch auf eines der beiden Instrumente reduziert werden.
The San Gimignano Manuscripts
Eine Gruppe von Manuskripten aus der Biblioteca Comunale von San Gimignano (Siena, Italien) eröffnet einen Einblick in ein bislang kaum erforschtes Repertoire: die Tastenmusik in der Toskana vom 16. bis zum späten 17. Jahrhundert. Die Quellen vermitteln ein reiches und vielschichtiges Bild der musikalischen Praxis jener Zeit: Neben einer lebendigen liturgischen Tätigkeit enthalten sie Intavolaturen von Madrigalen, canzonette und Tänzen nach zeitgenössischen Drucken von Komponisten wie Cipriano de Rore, Cristofano Malvezzi, Orazio Vecchi, Fabritio Caroso, bis hin zu Girolamo Frescobaldi.
Die zahlreichen arie da cantare machen diese Quelle besonders wertvoll für das Verständnis einer damals weit verbreiteten Praxis an der Grenze zur Improvisation, bei der unterschiedliche poetische Texte auf vorgegebene melodisch-harmonische Modelle gesungen wurden.
Ein in derselben Bibliothek erhaltenes Lautenmanuskript unterstreicht zudem die enge Verbindung zwischen Tasten- und Lautenrepertoire und weist auf ein weitgehend gemeinsames musikalisches Material hin. Aus einer Sammlung für Stimme und Basso Continuo stammt außerdem eine bislang unveröffentlichte Kantate von Francesco Alessi, Maestro di cappella in Pisa, die hier erstmals in moderner Zeit aufgeführt wird.
Das Programm erschließt die Vielfalt dieser Quelle in einem Parcours, der Solowerke für Orgel und Cembalo, Tänze für Laute und Tasteninstrument, arie da cantare, Madrigalen und canzonette für Stimme mit Laute oder Cembalo sowie Werke für Stimme und Basso continuo miteinander verbindet.
Das Projekt wurde von Giulia Ricci in Forschung und künstlerischer Leitung entwickelt und 2025 gemeinsam mit Giovanni Cantarini (Tenor), Alice Borciani (Sopran), Julian Behr (Laute und Theorbe) und Alex Jellici (Violoncello) aufgenommen. Informationen zur Veröffentlichung folgen in Kürze. Für die Aufführung kann das Programm flexibel angepasst werden, von einer solistischen Fassung bis zur vollständigen Besetzung mit fünf Musikerinnen und Musikern.
An Italian journey to London
Im 18. Jahrhundert entwickelt sich London zu einem der wichtigsten europäischen Zentren für die Verbreitung italienischer Musik. Werke, Musiker und stilistische Modelle überschreiten Grenzen und stehen in einem kontinuierlichen Prozess der Veränderung. Von Corelli bis Clementi folgt das Programm einem Netzwerk von Verbindungen, in dem Repertoire zwischen Italien und England zirkuliert und sich im Laufe dieser Bewegung neu formt.
Die Veröffentlichung der Werke Arcangelo Corellis durch den Londoner Verleger Walsh zu Beginn des 18. Jahrhunderts markiert einen entscheidenden Moment: Corellis musikalische Sprache wird zum Bezugspunkt für das englische Publikum und für die in London tätigen Komponisten. Um dieses Modell entsteht ein Netzwerk italienischer Musiker, die in London ein fruchtbares Umfeld für die Verbreitung und Weiterentwicklung ihres Repertoires finden. Francesco Geminiani, ein Schüler Corellis, verwandelt die Violinsonaten seines Lehrers in Concerti grossi und veröffentlicht eigene Werke in Fassungen für Tasteninstrumente; Giovanni Bononcini richtet seine Kammermusik für das Cembalo ein; Ignazio Cirri und Luigi Cherubini nutzen London als wichtigen Ort für die Veröffentlichung ihrer Kompositionen.
Mit Muzio Clementi, einer zentralen Figur des Londoner Musiklebens, erreicht diese Entwicklung eine neue Stufe: Als Komponist, Virtuose und Verleger trägt er wesentlich zur Verbreitung italienischer Musik bei, insbesondere der Werke Domenico Scarlattis.
Das Programm macht eine weit verbreitete Praxis der Bearbeitung und Umgestaltung sichtbar: Violinsonaten werden zu Concerti grossi oder Tastenwerken, Kammermusik erhält neue Funktionen, und die italienische Musiksprache entwickelt sich im Wechsel zwischen Instrumenten und Kontexten weiter.
Das Programm ist für historische Tasteninstrumente konzipiert und umfasst Cembalo, Orgel und Fortepiano. Es hebt ihre unterschiedlichen Klangfarben innerhalb eines Konzerts hervor, kann jedoch flexibel angepasst werden – von Kombinationen mehrerer Instrumente bis hin zu einer Fassung auf einem einzelnen Instrument.